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Pflegevorsorge Deutschland

Grundlagen · 24. September 2026 · ca. 13 Min. Lesezeit

Die Schwere Krankheiten Versicherung als Ergänzung zur Pflegevorsorge

Die Pflegekasse zahlt, wenn ein Pflegegrad festgestellt ist. Eine Schwere Krankheiten Versicherung zahlt, wenn eine schwere Diagnose feststeht. Warum genau dieser zeitliche Unterschied für deine Pflegevorsorge entscheidend sein kann, welche Zahlen dahinterstehen und wo die Grenzen liegen.

Gastbeitrag von der Redaktion SchwereKrankheitenPlus · fachlich geprüft von Robin Werner, Versicherungsmakler nach § 34d GewO

Kurz gesagt

  • Pflegevorsorge sichert den Zustand ab: Sie greift, sobald Pflegebedürftigkeit vorliegt, gesetzlich ab Pflegegrad 1, bei Pflegegeld ab Pflegegrad 2.
  • Eine Schwere Krankheiten Versicherung (auch Dread Disease Versicherung) sichert das Ereignis ab: Sie zahlt einmalig ein vereinbartes Kapital, wenn eine versicherte Krankheit wie Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Multiple Sklerose, Parkinson oder, je nach Tarif, Alzheimer diagnostiziert wird und die Bedingungen erfüllt sind.
  • Viele Pflegefälle unter 65 beginnen mit genau solchen Diagnosen. Zwischen Diagnose und festgestelltem Pflegegrad liegen oft Wochen bis Monate, in denen Kosten entstehen, die keine Pflegekasse trägt.
  • Einzelne Tarife gehen weiter: Die NÜRNBERGER führt Pflegebedürftigkeit zwischen dem 15. und 67. Geburtstag als eigenen Leistungsauslöser, die Gothaer bietet einen zuwählbaren Baustein bei Pflegebedürftigkeit.
  • Die Schwere Krankheiten Versicherung ersetzt weder eine private Pflegeversicherung noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie schließt eine andere, frühere Lücke.

Wer über Pflegevorsorge nachdenkt, hat meist ein Bild im Kopf: ein hohes Alter, ein langsamer Abbau, irgendwann der Heimplatz. Für viele Pflegefälle stimmt dieses Bild. Für einen erheblichen Teil beginnt Pflegebedürftigkeit aber nicht schleichend, sondern an einem bestimmten Tag: mit einem Schlaganfall, einer Krebsdiagnose oder einem Befund in der Neurologie. Genau an diesem Tag setzt eine Schwere Krankheiten Versicherung an. Dieser Beitrag erklärt, wie beide Bausteine zusammenspielen, belegt mit Zahlen aus amtlicher Statistik, Fachgesellschaften und den Versicherungsbedingungen der vier relevanten Anbieter am deutschen Markt.

Zwei Lücken, die zeitlich hintereinander liegen

Die Pflegelücke ist gut dokumentiert. Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt feste Zuschüsse, keine tatsächlichen Kosten. Bei Pflegegrad 5 im Heim sind das 2.096 € im Monat. Der Eigenanteil lag laut Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) zum 1. Juli 2026 im ersten Heimjahr bundesweit bei durchschnittlich 3.364 € monatlich. Er sinkt durch die Leistungszuschläge nach § 43c SGB XI mit der Aufenthaltsdauer, auf rund 3.051 € im zweiten, 2.633 € im dritten und 2.111 € ab dem vierten Jahr. Private Pflegevorsorge ist genau für diese Lücke gebaut.

Es gibt aber eine zweite Lücke, die davor liegt und seltener besprochen wird. Wir nennen sie die Diagnose-Lücke: der Zeitraum zwischen einer schweren Diagnose und dem Moment, in dem die Pflegekasse einen Pflegegrad bewilligt und Leistungen fließen. In dieser Phase entstehen typischerweise:

  • eine Einkommenslücke, wenn nach sechs Wochen Entgeltfortzahlung das Krankengeld einsetzt. Es beträgt 70 % des Bruttoarbeitsentgelts, höchstens 90 % des Nettos, und ist 2026 auf 135,63 € brutto pro Kalendertag gedeckelt (§ 47 SGB V, Beitragsbemessungsgrenze 5.812,50 €);
  • Umbaukosten für Bad, Treppe oder Zugang, oft bevor der Zuschuss der Pflegekasse von bis zu 4.180 € je Maßnahme beantragt oder bewilligt ist;
  • Kosten für Angehörige, die ihre Arbeitszeit reduzieren, um Termine, Reha und Organisation zu stemmen;
  • Behandlungs- und Therapiekosten außerhalb des Leistungskatalogs der Krankenkasse, etwa Zweitmeinungen, Privatkliniken oder zusätzliche Therapieeinheiten.

Eine private Pflegeversicherung zahlt in dieser Phase in aller Regel noch nichts, weil ihr Leistungsauslöser der Pflegegrad ist. Eine Schwere Krankheiten Versicherung dagegen knüpft an die Diagnose an. Wie groß diese Lücke im Einzelfall wird, zeigt der Ratgeber zur Versorgungslücke bei schwerer Krankheit.

Was eine Schwere Krankheiten Versicherung ist

Eine Schwere Krankheiten Versicherung ist eine Risikoversicherung, die bei Diagnose einer im Vertrag definierten schweren Erkrankung eine vereinbarte Einmalzahlung leistet. Das Konzept stammt aus Südafrika: Der Herzchirurg Marius Barnard entwickelte es 1983, nachdem er erlebt hatte, dass seine Patienten medizinisch überlebten, finanziell aber scheiterten. Die Geschichte der Dread Disease Versicherung erklärt, warum das Produkt in Großbritannien längst Standard ist und in Deutschland erst langsam bekannt wird. Der englische Begriff „Dread Disease" bedeutet wörtlich „gefürchtete Krankheit"; mehr dazu im Beitrag zur Bedeutung von Dread Disease.

Drei Merkmale unterscheiden sie von allem, was in der Pflegevorsorge üblich ist:

  1. Der Auslöser ist die Diagnose, nicht die Pflegebedürftigkeit und nicht die Berufsunfähigkeit. Welche Erkrankungen gelten und mit welchem Schweregrad, legt der Leistungskatalog fest. Am Markt reicht die Spanne von 50 bis 75 versicherten Krankheiten; eine Übersicht bietet der Ratgeber Welche Krankheiten sind versichert?
  2. Das Geld ist frei verwendbar. Es gibt keinen Verwendungsnachweis. Ob du es für einen Umbau, zur Überbrückung der Einkommenslücke oder zur Entlastung von Angehörigen einsetzt, entscheidest du.
  3. Die Leistung ist eine Einmalzahlung, keine laufende Rente. Warum das Vor- und Nachteile hat, erklärt der Vergleich Einmalleistung oder Rente.

Bei privater Versicherungsnehmer-Konstellation ist die Auszahlung in der Regel steuerfrei; Details und Ausnahmen, etwa bei Firmenverträgen, beschreibt der Beitrag Schwere Krankheiten Versicherung steuerlich absetzen. Was genau als schwere Krankheit im Versicherungssinn gilt, ist nicht mit dem medizinischen Sprachgebrauch identisch; die Abgrenzung erklärt der Ratgeber zur Definition einer schweren Krankheit.

Von der Diagnose zum Pflegegrad: Wo die Zahlen herkommen

Ende 2023 waren in Deutschland laut Statistischem Bundesamt rund 5,69 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des SGB XI, rund 15 % mehr als zwei Jahre zuvor. Etwa 86 % von ihnen wurden zu Hause versorgt. Ein Teil dieser Pflegefälle beginnt mit Erkrankungen, die im Leistungskatalog einer Schwere Krankheiten Versicherung stehen. Drei Beispiele zeigen, wie eng die Verbindung ist.

Schlaganfall: der häufigste Grund für erworbene Behinderung

Nach Angaben der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden jährlich annähernd 270.000 Menschen einen Schlaganfall, knapp 200.000 davon erstmals. Rund 30.000 Betroffene sind jünger als 55 Jahre. Ein Jahr nach dem Ereignis sind rund 60 % der Patienten weiterhin auf Therapie, Hilfsmittel oder Pflege angewiesen; der Schlaganfall gilt als häufigster Grund für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter. Welcher Pflegegrad typischerweise folgt und wie der Antrag läuft, beschreibt der Ratgeber Pflegegrad nach Schlaganfall, die Einstufung beim Versorgungsamt der Beitrag zu Schwerbehinderung und GdB nach Schlaganfall. Dass es nicht nur Ältere trifft, zeigt der Beitrag über Schlaganfall bei jungen Menschen.

Demenz: Pflegebedarf, der Jahre vor dem Rentenalter beginnen kann

Nach der im September 2026 veröffentlichten Neuberechnung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (berechnet vom DZNE) leben in Deutschland rund 1,78 Millionen Menschen mit Demenz; bis 2050 könnten es bis zu 2,6 Millionen werden. Fast 5 % der Betroffenen, rund 85.000 Menschen, sind jünger als 65 Jahre. Für diese Gruppe fällt die Demenz in die Erwerbsphase, oft mit Partnern, die selbst noch arbeiten. Wie Tarife Demenz definieren, etwa über die Reisberg-Skala ab Stufe 5 oder über Alltagseinschränkungen, erklärt der Ratgeber Demenz und Alzheimer absichern.

Krebs, Parkinson, MS: lange Verläufe mit wachsendem Hilfebedarf

Laut Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut wurden 2023 in Deutschland rund 517.800 Krebserkrankungen neu diagnostiziert. Die Überlebenschancen steigen, damit aber auch die Zahl der Menschen, die nach Therapie mit Einschränkungen leben. Neurologische Erkrankungen wie Parkinson und Multiple Sklerose verlaufen über viele Jahre; der Pflegebedarf wächst oft stufenweise. Hintergründe dazu liefern die Ratgeber zu MS, Parkinson und ALS, zu Verlauf und Stadien bei Parkinson und zu Krebs in der Schwere Krankheiten Versicherung. Einen Überblick über die Erkrankungen mit der größten Verbreitung gibt der Beitrag Schwere Krankheiten in Deutschland 2026.

Der zeitliche Ablauf in der Praxis

Zwischen Diagnose und erster Pflegeleistung liegen mehrere Schritte: Akutbehandlung, häufig eine Reha, dann der Antrag bei der Pflegekasse, die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst und der Bescheid, der in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antragseingang ergehen soll. Pflegegeld wird ab Antragsmonat gezahlt, die Höhe richtet sich aber nach dem Pflegegrad, der bei Erstbegutachtung oft niedriger ausfällt, als die Situation zu Hause es empfinden lässt.

Wer wann zahlt: Leistungsauslöser im Vergleich
PhaseGesetzliche LeistungPrivate PflegevorsorgeSchwere Krankheiten Versicherung
Diagnose, AkutphaseKrankenbehandlung, Entgeltfortzahlungin der Regel keine LeistungKapital nach Überlebensfrist von 10 bis 28 Tagen, je nach Tarif
Reha, ArbeitsunfähigkeitKrankengeld bis 78 Wochen je Krankheit (§ 48 SGB V), max. 135,63 € brutto pro Tagin der Regel keine Leistungbereits ausgezahltes Kapital verfügbar
Pflegegrad festgestelltPflegegeld 347 € bis 990 € je nach Grad (§ 37 SGB XI)Leistung nach Pflegegrad, je nach Tarifbei einzelnen Tarifen zusätzlicher Auslöser Pflegebedürftigkeit
HeimaufenthaltZuschuss bis 2.096 € (PG 5) plus LeistungszuschlagKernleistung der Pflegevorsorgekeine laufende Leistung

Pflegegeld 2026: PG 2 347 €, PG 3 599 €, PG 4 800 €, PG 5 990 €, unverändert seit 1. Januar 2025; die nächste gesetzliche Dynamisierung ist zum 1. Januar 2028 vorgesehen.

Pflegetagegeld, Pflegerente, Schwere Krankheiten Versicherung im Vergleich

Alle drei Produkte zahlen Geld, nicht Sachleistungen. Sie unterscheiden sich aber im Auslöser, im Zeitpunkt und in der Form der Leistung. Das ist der Grund, warum sie sich ergänzen statt sich zu ersetzen.

Drei Bausteine der finanziellen Vorsorge im Überblick
MerkmalPflegetagegeldPflegerenteSchwere Krankheiten Versicherung
LeistungsauslöserPflegegrad (meist gestaffelt)Pflegegrad (meist gestaffelt)Diagnose einer versicherten Erkrankung
Form der Leistunglaufend, tages- oder monatsweiselaufend, lebenslang je nach Tarifeinmaliges Kapital
Typischer Einsatzzeitraumab Pflegegrad, oft im höheren Alterab Pflegegrad, oft im höheren Alterwährend der Vertragslaufzeit, meist bis ins Rentenalter
Deckt die Diagnose-Lückeneinneinja
Deckt lange Heimaufenthaltejajanur begrenzt, in Höhe des Kapitals
Deckt Pflegefälle ohne Diagnose aus dem Katalogjajanein, außer Tarife mit Auslöser Pflegebedürftigkeit
BeitragslogikKrankenversicherung, Beiträge anpassbarLebensversicherung, oft garantiertmeist garantiert kalkuliert, je nach Tarif

Die Tabelle zeigt die Arbeitsteilung: Pflegetagegeld und Pflegerente schützen vor einer lang andauernden Belastung, typischerweise im Alter und unabhängig von der Ursache. Die Schwere Krankheiten Versicherung schützt vor dem finanziellen Schock eines bestimmten Ereignisses, typischerweise in der Lebensmitte. Wer nur eines von beiden hat, hat eine Seite offen. Eine ausführliche Abwägung bietet der Beitrag Vor- und Nachteile der Schwere Krankheiten Versicherung.

Wichtig zur Einordnung: Die Absicherung der Arbeitskraft bleibt die Aufgabe der Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine Schwere Krankheiten Versicherung kann die BU ergänzen, sie ersetzt sie nicht, denn viele Ursachen einer Berufsunfähigkeit, etwa psychische Erkrankungen oder Rückenleiden, stehen in keinem Dread-Disease-Katalog. Den Unterschied erklärt der Vergleich BU oder Schwere Krankheiten Versicherung.

Wo Pflege direkt im Tarif steckt

Am deutschen Markt bieten vier Gesellschaften eine echte Dread-Disease-Absicherung aktiv an. Beim Thema Pflege unterscheiden sie sich deutlich. Die folgenden Angaben stammen aus den aktuellen Versicherungsbedingungen und Produktunterlagen; maßgeblich ist immer der konkrete Vertrag. Eine vollständige Gegenüberstellung bietet der Tarifvergleich 2026.

NÜRNBERGER: Pflegebedürftigkeit als eigener Leistungsauslöser

Die NÜRNBERGER Dread Disease führt unter ihren 55 Leistungsauslösern die Ziffer „Pflegebedürftigkeit 15. bis 67. Geburtstag". Laut Bedingungswerk (Anlage SEL, Stand 01/2023) muss die Pflegebedürftigkeit in diesem Alterskorridor erstmals fachärztlich festgestellt werden, und mindestens drei von sechs Einschränkungen müssen ununterbrochen länger als drei Monate bestehen: Fortbewegen im Zimmer, Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Einnehmen von Mahlzeiten und Getränken, Waschen/Kämmen/Rasieren sowie Verrichten der Notdurft. Alternativ genügt unter bestimmten Voraussetzungen eine gesetzliche Betreuung. Damit kann der Tarif auch bei Pflegefällen leisten, deren Ursache nicht im Krankheitskatalog steht, etwa nach einem Unfall. Zusätzlich deckt die NÜRNBERGER Alzheimer bei Diagnose vor dem 67. Geburtstag.

Gothaer Perikon: Pflege als zuwählbarer Baustein

Die fondsgebundene Gothaer Perikon bietet einen Invaliditätsbaustein, der auch bei Pflegebedürftigkeit leistet, wenn er vereinbart ist. Voraussetzung ist Hilfebedarf bei mindestens drei von sechs Alltagstätigkeiten, der voraussichtlich länger als drei Jahre besteht; der Anspruch entsteht, wenn die Pflegebedürftigkeit sechs Monate ununterbrochen bestanden hat. Die volle vereinbarte Summe wird bei Eintritt bis zum Alter von 55 Jahren gezahlt, danach sinkt der Anteil stufenweise (56 Jahre: 87,5 %, 57: 75 %, 58: 62,5 %, ab 59: 50 %). Im Krankheitskatalog führt die Gothaer Demenz und Alzheimer ohne Altersbegrenzung der Leistung während der Vertragslaufzeit.

Canada Life: Demenz nach Reisberg-Skala, Pflege über die Beitragsbefreiung

Die Canada Life Schwere Krankheiten Vorsorge nimmt laut den hier zugrunde gelegten Produktunterlagen bis zum Alter von 63 Jahren an. Das höchste Annahmeendalter in dieser Übersicht hat sie nicht: Die aktuelle Produktseite der NÜRNBERGER nennt Vertragsabschlüsse bis zum Alter von 70 Jahren. Demenz wird ab Stufe 5 der Global Deterioration Scale nach Reisberg (mittelschwere kognitive Leistungseinbußen) oder über definierte Kriterien im Hirnleistungstest erfasst. Pflegebedürftigkeit spielt in der Zusatzoption „Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit" eine Rolle: Dort gilt als berufsunfähig auch, wem mindestens Pflegegrad 2 zuerkannt wurde oder wer bei drei von sechs Alltagsverrichtungen Hilfe braucht. Die Beiträge entfallen dann, der Schutz bleibt bestehen.

Zurich Eagle Star: breitester Katalog, Teilleistung bei leichteren Verläufen

Der Zurich Eagle Star Krankheits-Schutzbrief umfasst 75 Krankheiten, darunter Alzheimer und sonstige präsenile Demenzformen, und leistet bei leichteren Verläufen eine Teilleistung bis 25.000 €. Einen eigenen Auslöser Pflegebedürftigkeit sieht er nicht vor. Für die Pflegevorsorge relevant ist vor allem, dass viele pflegerelevante Diagnosen früh und breit erfasst sind.

Pflegebezug der vier Tarife im Überblick
TarifAnnahme bisKrankheitenPflegebedürftigkeitDemenz/Alzheimer
NÜRNBERGER70 J.über 50 (55 Auslöser)eigener Auslöser, 15. bis 67. GeburtstagAlzheimer vor dem 67. Geburtstag
Gothaer Perikon60 J.50zuwählbarer Baustein, volle Summe bis 55 J.ohne Altersbegrenzung der Leistung
Canada Life63 J.55 (+25 optional)Beitragsbefreiung in der BU-Zusatzoptionab Reisberg-Stufe 5
Zurich Eagle Star60 J.75kein eigener AuslöserAlzheimer, präsenile Demenzformen

Quellen: Versicherungsbedingungen und Produktunterlagen der Anbieter (NÜRNBERGER Anlage SEL 01/2023 sowie aktuelle Produktseite der NÜRNBERGER, abgerufen am 9. Oktober 2026; Gothaer AVB Version 22.06.2026, Canada Life Versicherungsbedingungen, Zurich Produktinformation), Marktstand 2026. Angaben ohne Gewähr, maßgeblich ist der jeweilige Vertrag.

Rechenbeispiel: Was 100.000 € Kapital im Pflegefall bedeuten können

Rechenbeispiel zur Veranschaulichung. Leistung und Beitrag hängen vom gewählten Tarif, vom Alter und vom Gesundheitszustand ab.

Angenommen, eine 52-jährige Angestellte erleidet einen Schlaganfall. Ihre Schwere Krankheiten Versicherung mit 100.000 € Versicherungssumme leistet, nachdem die tariflichen Voraussetzungen erfüllt sind. Nach Reha und Begutachtung wird Pflegegrad 3 festgestellt; ihr Partner reduziert seine Arbeitszeit. Was kann das Kapital leisten?

  • Einkommenslücke überbrücken: Liegt ihr Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze, erhält sie höchstens 135,63 € Krankengeld brutto pro Tag. Die Differenz zum bisherigen Netto kann je nach Einkommen mehrere Hundert bis über tausend Euro im Monat betragen.
  • Wohnung anpassen: Treppenlift, bodengleiche Dusche, Türverbreiterung. Die NÜRNBERGER nennt in ihrem Produktdatenblatt (Stand 07/2026) etwa 15.000 € für einen Treppenlift und bis zu 100.000 € für einen barrierefreien Immobilienumbau als Orientierungswerte.
  • Angehörige entlasten: Stundenweise Betreuung, Haushaltshilfe oder ein Ausgleich für die reduzierte Arbeitszeit des Partners.
  • Späteren Heimeigenanteil vorfinanzieren: Bei den bundesweiten Durchschnittswerten des vdek (1. Juli 2026) würden 100.000 € den Eigenanteil rechnerisch für rund 32 bis 33 Monate decken. Die ersten drei Heimjahre summieren sich auf etwa 108.600 € Eigenanteil.

Das Beispiel zeigt die Stärke und die Grenze zugleich. Das Kapital ist früh da und flexibel, aber endlich. Für einen Heimaufenthalt über viele Jahre ist eine laufende Leistung aus der Pflegevorsorge die tragfähigere Lösung. Wie hoch die Versicherungssumme sinnvollerweise sein sollte, erklärt der Ratgeber zur passenden Versicherungssumme; mit welchen Beiträgen zu rechnen ist, der Beitrag zu den Kosten einer Schwere Krankheiten Versicherung. Den Fehlbetrag in der Pflege selbst kannst du im Pflege-Check für deine Situation berechnen.

Für wen die Kombination sinnvoll ist, und für wen nicht

Eher sinnvoll

  • Berufstätige zwischen 30 und 60, deren Pflegerisiko vor allem über schwere Erkrankungen entsteht und bei denen eine Einkommenslücke die Familie direkt trifft.
  • Paare und Familien, in denen ein Partner im Ernstfall die Pflege übernehmen würde und dafür Arbeitszeit reduzieren müsste. Wie das Sozialamt bei Ehepartnern rechnet, erklärt der Beitrag Ehepartner im Pflegefall.
  • Selbstständige, die ohne Krankengeld oder nur mit einem freiwilligen Tarif abgesichert sind.
  • Eigentümer, die ein Haus pflegegerecht umbauen müssten oder einen laufenden Kredit bedienen.
  • Menschen mit familiärer Vorbelastung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Demenz, solange sie selbst gesund sind. Nach § 18 Gendiagnostikgesetz dürfen Versicherer genetische Testergebnisse bei Einmalleistungen bis 300.000 € weder verlangen noch verwenden.

Eher entbehrlich

  • Wer ein Vermögen hat, das eine Einkommenslücke und Umbaukosten ohne Einschnitte trägt.
  • Wer das Budget nur für einen Baustein hat. Dann hat die Absicherung der Arbeitskraft über eine BU in der Erwerbsphase Vorrang, im höheren Alter die Pflegevorsorge.
  • Wer bereits über 60 ist: Die Annahme endet je nach Anbieter mit 60, 63 oder 70 Jahren, und die Beiträge steigen mit dem Eintrittsalter deutlich.
  • Wer bereits eine relevante Diagnose hat. Bestehende Erkrankungen sind in der Regel ausgeschlossen oder führen zur Ablehnung.

Eine Entscheidungshilfe mit weiteren Konstellationen bietet der Ratgeber Ist eine Schwere Krankheiten Versicherung sinnvoll?

Worauf du beim Abschluss achten solltest

  1. Früh und gesund abschließen. Beitrag und Annahme hängen an Alter und Gesundheit, genau wie bei der Pflegevorsorge. Welche Faktoren den Preis bestimmen, zeigt der Ratgeber zu den Kostenfaktoren.
  2. Gesundheitsfragen vollständig beantworten. Falsche oder unvollständige Angaben können den Schutz kosten. Was abgefragt wird, erklärt der Beitrag zu den Gesundheitsfragen. Bei Vorerkrankungen hilft eine anonyme Risikovoranfrage.
  3. Pflegebezug prüfen. Gibt es einen Auslöser Pflegebedürftigkeit, und bis zu welchem Alter? Welche Demenzformen sind ab welchem Stadium versichert?
  4. Fristen kennen. Für Krebs gilt meist eine Wartezeit von sechs Monaten ab Versicherungsbeginn, nach der Diagnose eine Überlebensfrist von 10 bis 28 Tagen je nach Anbieter. Die Details erklärt der Ratgeber zu Wartezeit, Karenzzeit und Überlebensklausel.
  5. Mehrfachleistung bedenken. Nach einer ersten Leistung endet der Vertrag bei manchen Tarifen. Wer an eine zweite Erkrankung denkt, sollte die Mehrfachleistung und Second-Event-Lösung vergleichen.
  6. Beide Bausteine gemeinsam planen. Versicherungssumme der Schwere Krankheiten Versicherung und Leistungshöhe der Pflegevorsorge sollten aufeinander abgestimmt sein, statt sich zu überschneiden.

Im Leistungsfall gilt: Die Auszahlung folgt nach Prüfung der medizinischen Unterlagen. Sind die Erhebungen einen Monat nach Meldung nicht abgeschlossen, kannst du nach § 14 VVG eine Abschlagszahlung verlangen. Den Ablauf beschreibt der Ratgeber zur Auszahlung im Leistungsfall.

Häufige Fragen

Ersetzt eine Schwere Krankheiten Versicherung die private Pflegeversicherung?

Nein. Die private Pflegeversicherung leistet ab festgestelltem Pflegegrad und unabhängig von der Ursache, oft laufend und lebenslang. Die Schwere Krankheiten Versicherung zahlt einmalig bei Diagnose einer versicherten Erkrankung. Beide decken unterschiedliche Phasen und Risiken ab und ergänzen sich.

Zahlt die Schwere Krankheiten Versicherung, wenn ich pflegebedürftig werde?

Das hängt vom Tarif und von der Ursache ab. Liegt der Pflegebedürftigkeit eine versicherte Diagnose zugrunde, etwa ein Schlaganfall mit dauerhaften Ausfällen, kann die Leistung über diese Diagnose ausgelöst werden. Die NÜRNBERGER führt Pflegebedürftigkeit zwischen dem 15. und 67. Geburtstag zusätzlich als eigenen Auslöser, die Gothaer bietet einen zuwählbaren Baustein.

Wann zahlt eine Dread Disease Versicherung im Vergleich zur Pflegekasse?

Meist deutlich früher. Die Dread Disease Versicherung leistet nach der fachärztlichen Diagnose und einer tariflichen Überlebensfrist von 10 bis 28 Tagen, sofern die Schweregradkriterien erfüllt sind. Die Pflegekasse zahlt erst ab Antragsmonat, nachdem der Medizinische Dienst begutachtet und einen Pflegegrad festgestellt hat.

Ist die Leistung einer Schwere Krankheiten Versicherung steuerfrei?

Bei einem privat abgeschlossenen Vertrag, bei dem Versicherungsnehmer und versicherte Person identisch sind, ist die Einmalleistung in der Regel steuerfrei. Bei Firmenverträgen gelten andere Regeln. Stimme steuerliche Fragen im Zweifel mit deiner Steuerberatung ab.

Bis zu welchem Alter kann ich eine Schwere Krankheiten Versicherung abschließen?

Je nach Anbieter bis 60, 63 oder 70 Jahre. Die aktuelle Produktseite der NÜRNBERGER nennt Vertragsabschlüsse bis zum Alter von 70 Jahren; Canada Life nimmt laut den hier zugrunde gelegten Produktunterlagen bis 63 Jahre an. Maßgeblich sind die Bedingungen des konkreten Tarifs und das Alter bei Vertragsabschluss.

Deckt eine Schwere Krankheiten Versicherung Demenz ab?

Viele Tarife enthalten Alzheimer oder weitere Demenzformen, aber mit unterschiedlichen Bedingungen: etwa ab Stufe 5 der Reisberg-Skala, über Alltagseinschränkungen oder nur bei Diagnose vor einem bestimmten Alter. Das Frühstadium ist in der Regel nicht versichert.

Was kostet eine Schwere Krankheiten Versicherung?

Das hängt von Alter, Gesundheit, Raucherstatus, Versicherungssumme und Laufzeit ab. Als Orientierung nennt die NÜRNBERGER für 50.000 € Versicherungssumme Beispielbeiträge ab rund 29 bis 32 € im Monat. Dein individueller Beitrag lässt sich nur mit deinen Daten berechnen.

Brauche ich neben einer Berufsunfähigkeitsversicherung überhaupt eine Schwere Krankheiten Versicherung?

Die BU sichert das Einkommen, wenn du deinen Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst. Die Schwere Krankheiten Versicherung zahlt bei Diagnose, auch wenn du weiterarbeitest, und auch dann, wenn die BU nicht leistet, etwa weil du nur teilweise eingeschränkt bist. Sie ist eine Ergänzung zur BU, kein Ersatz.

So geht es weiter

Pflegevorsorge beginnt mit der Frage, wie groß deine Pflegelücke ist. Die Schwere Krankheiten Versicherung beginnt mit der Frage, was in den Monaten davor passiert. Beide Antworten zusammen ergeben ein vollständiges Bild. Deine Pflegelücke kannst du im Pflege-Check berechnen oder im kostenlosen Erstgespräch durchgehen. Wie eine Diagnose-Absicherung dazu passt, zeigt der Vergleich der Dread Disease Versicherung Tarife bei SchwereKrankheitenPlus.

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